Walter Mossmann-Preis

SOOKEE und SOPHIE SUMBURANE erhalten von der Walter Mossmann Gesellschaft e.V. (WMG) den Walter Mossmann-Preis 2024. Zwei Preisträgerinnen zur ersten – von der Stadt Freiburg unterstützten – Vergabe des Preises waren nicht vorgesehen. Sie stehen für die intensive und leidenschaftliche Diskussion, mit der das Kuratorium sich mit den ursprünglich 19 Vorschlägen auseinandergesetzt hat. „Walter hätte sich gefreut“, sagte der WMG-Vorsitzende Didi Danquart.

Der Walter Mossmann-Preis wird im Rhythmus von zwei Jahren und immer am 1. Mai verliehen. Mit dem Walter Mossmann-Preis werden Menschen bedacht, die sich in besonderer Weise gesellschaftspolitisch engagieren und mit ihrem Engagement das ideelle Vermächtnis von Walter Mossmann gegenwärtig halten. Konkret heißt das: Menschen, die sich – wo und in welcher Form auch immer – mit Courage für eine Gesellschaft einsetzen, in der Solidarität und Gerechtigkeit die Basis des gesellschaftlichen Zusammenlebens bestimmen.

Über die erstmalige Vergabe entschied satzungsgemäß ein siebenköpfiges Kuratorium, dem neben dem dreiköpfigen Vorstand der Walter Mossmann Gesellschaft, drei weitere von ihm berufene Kuratorinnen sowie eine vom Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg entsandte Kuratorin angehörten. Im Einzelnen sind das: Daniela Beier, Büroleiterin des Ersten Bürgermeisters der Stadt Freiburg Ulrich von Kirchbach; Heinrich Breit, Steuerberater (Vorstand WMG); Didi Danquart, Professor für Film & Regisseur (Vorstand WMG); Merle Kröger, Schriftstellerin und Filmemacherin; Kerstin Polte, Regisseurin und Drehbuchautorin; Jenny Warnecke, Kulturaktivistin; Martin Wiedemann, Kulturarbeiter (Vorstand WMG).
Dass der Preis beim ersten Mal gleich doppelt vergeben wird, war nicht geplant. Es steht vielmehr für die intensive und leidenschaftliche Diskussion, mit der das Kuratorium sich in den letzten Wochen mit den ursprünglich 19, von den Kurator:innen selbst eingebrachten Vorschlägen auseinandergesetzt hat. Erst zum Ende einer abschließenden, zweitägigen Klausurtagung fiel dann Anfang März die Entscheidung, bei der ersten Vergabe des Walter Mossmann-Preises zwei Gewinnerinnen zu benennen. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird unter ihnen aufgeteilt werden.
Zur Preisvergabe an Sookee schrieb das Kuratorium in seiner Begründung: „Seit über 20 Jahren ist ihr künstlerisches Handeln immer auch in politische Kontexte eingebunden. Sie war eine der ersten Rapperinnen, die sich offen gegen Homophobie, Sexismus, Rassismus und Antisemitismus im deutschen HipHop einsetzte. Heute macht sie als Sukini auch Kindermusik und regt – nicht nur – die nächste Generation mit ihren Texten zum Nachdenken an.“
Zu Sophie Sumburane heißt es: „Sie ist Vertreterin des 2022 gegründeten PEN Berlin und eine prägende Stimme der Kampagne ‚Verlage gegen rechts‘. Sumburane tritt in ihren Romanen, politischen Essays und auf Veranstaltungen entschieden für Demokratie und Menschenrechte, für Solidarität mit Migrant:innen und Geflüchteten, gegen Rassismus und eine Normalisierung rechter Parteien wie der AFD ein.“ Für beide Preisträgerinnen betont das Kuratorium zudem ihre „immer klare Haltung“.
Sookee und Sophie Sumburane stehen damit auch für die Idee der Walter Mossmann Gesellschaft e.V., mit der Vergabe des Walter Mossmann-Preises das Engagement von Menschen für eine bessere im Sinne einer gerechteren Welt sichtbar zu machen, es damit zu würdigen und zur Unterstützung und Nachahmung anzustiften. Gleichzeitig soll damit daran erinnert werden, dass Walter Mossmann ein solches Engagement – eingeschlossen der dazu oftmals notwendigen Zivilcourage – in einer ganz besonderen Weise verkörperte.
Nicht zuletzt auch ihre Zivilcourage verbindet die ersten Preisträgerinnen mit Walter Mossmann; und dass die eine, Sookee, „Räume öffnet“ und die andere, Sophie Sumburane, „den gesellschaftlichen Brückenschlag sucht“, so noch einmal das Kuratorium in seiner Begründung. Gerade in einer Zeit sich zuspitzender weltpolitischer Entwicklungen und eines gesellschaftlichen Prozesses, der zu zunehmender Polarisierung und Spaltung tendiert, scheint uns dieser Versuch, Brücken zu bauen, wichtiger denn je – und eine weitere Verbindungslinie zwischen dem Engagement der Preisträgerinnen und dem von Walter Mossmann.

„Walter hätte sich gefreut, dass so intensiv debattiert und schließlich zwei Preisträgerinnen benannt wurden“, kommentierte Didi Danquart, der Vorsitzende des Vorstands der Walter Mossmann Gesellschaft die Entscheidung des Kuratoriums für Sookee und Sophie Sumburane – „zumal das auch noch die wundervolle Pointe hat, dass Lieder einerseits und geschriebene und gesprochene Worte andererseits die Medien sind, die das Engagement unserer Preisträgerinnen prägen: Walters Medien also.“


Vergeben wird Walter Mossmann Preis 2024 am 1. Mai, 18 Uhr, im Historischen Kaufhaus Freiburg. Die Preisträgerinnen und das Kuratorium werden anwesend sein.

 

Die Preisträgerinnen 2024

Wir haben Sookee und Sophie Sumburane gefragt, was sie in einer biographischen Notiz zu sich vermerken würden. Hier ihre Antworten:

Sophie Sumburane

geboren 1987 in Potsdam, studierte Germanistik und Afrikanistik an der Universität Leipzig sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und promoviert an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt über forensische Linguistik. Sie ist Autorin mehrerer Kriminalromane, schreibt für verschiedene Medien und engagiert sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Im Oktober vergangenen Jahres reiste sie im Rahmen eines Schriftsteller*innen-Meetings in die Ukraine. Sie ist Teil des Netzwerks »Herland – feministischer Realismus in der Kriminalliteratur« und Mitglied im Board des PEN Berlin. Ihr aktueller Roman „Tote Winkel“ (Edition Nautilus) rückt Opfer sexualisierter Gewalt in den Fokus.

 

Sookee

ist Musikerin, Antifaschistin und Mutter. Durch ihre langjährige Erfahrung in diskriminierungssensiblen und machtkritischen Diskursen weiß sie, dass das Monothematische dem Multiperspektivischen Platz machen muss, wenn gesellschaftliche Veränderung das Vorzeichen unserer Handlungen sein soll. So ist sie Gastgeberin verschiedener Gesprächs- und Konzertreihen und schreibt Kolumnen für das „Veto-Magazin“ und das „Kinderstark Magazin“. Seit über 20 Jahren ist sie in der Rap-Szene aktiv und beendete im März 2020 nach nunmehr 6 Alben, zahlreichen Kollaborationen und unzähligen Auftritten offiziell ihre Beteiligung an den Strukturen der Musikindustrie. 2021 erschien der Sammelband „Awesome HipHop Humans – Queerfeministischer Rap im deutschsprachigen Raum“, den sie zusammen mit Kian Köpf herausgibt. Sookee ist mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet worden: Sie ist Trägerin des Louise-Otto-Peters-, des Clara-Zetkin- und des Rolf Budde-Preises. Als „Sukini“ ist sie musikalisch 2019 in kinderkulturelle Sphären gewechselt und macht seither Lieder, die sich jüngere und ältere Menschen gemeinsam erschließen können. Ist zwar auch Musikindustrie, aber im Bereich der Kindermusik arbeiten die Mühlen tatsächlich etwas anders. Gemeinsam mit Sohra Behmanesh hat sie die Arbeit an ihrem aktuellen Kindermusikalbum “Da haben wir den Salat” in einem gleichnamigen Podcast reflektiert. Aktuell beschäftigt sie sich vorrangig mit dem Thema Adultismus, also dem gesellschaftlichen Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen. Sie verbindet damit ihre diskriminierungssensible Kulturarbeit mit dem Feld der Gleichwürdigkeit Menschen unterschiedlichen Alters.

Begründung zur Preisvergabe

Das Kuratorium der Walter Mossmann Gesellschaft e.V. gab zur Vergabe des ersten Walter Mossman-Preises 2024 an Sookee und Sophie Sumburane die folgende Begründung ab:

Sookee ist Musikerin, Moderatorin und Aktivistin. Seit über 20 Jahren ist ihr künstlerisches Handeln immer auch in politische Kontexte eingebunden. Sie war eine der ersten Rapperinnen, die sich offen gegen Homophobie, Sexismus, Rassismus und Antisemitismus im deutschen HipHop einsetzte. Heute macht sie als Sukini auch Kindermusik und regt – nicht nur – die nächste Generation mit ihren Texten zum Nachdenken an. In verschiedenen Diskussionsformaten öffnet sie Räume und baut Brücken zwischen schwer vereinbaren Positionen, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Sophie Sumburane ist Schriftstellerin und Autorin. Die gebürtige Brandenburgerin ist Vertreterin des 2022 gegründeten PEN Berlin und eine prägende Stimme der Kampagne „Verlage gegen rechts“. Sumburane tritt in ihren Romanen, politischen Essays und auf Veranstaltungen entschieden für Demokratie und Menschenrechte, für Solidarität mit Migrant:innen und Geflüchteten und gegen Rassismus und eine Normalisierung rechter Parteien wie der AFD ein.

Im Sinne von Walter Mossmann suchen Sookee und Sophie Sumburane den gesellschaftlichen Brückenschlag und zeigen dennoch immer eine klare Haltung.